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History |
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Theater hat in Erolzheim eine lange Tradition. Bis 1801 wurden hier Passionsspiele aufgeführt, und bis in die 50-er Jahre spielte die Musikgesellschaft, die Vorgängerin des heutigen Musikvereins, jahrzehntelang regelmäßig und erfolgreich Laientheater. Ganz Deutschland lag 1850-1860 im Eisenbahnfieber. In Süddeutschland wurden die Linie München-Ulm und die Südbahn von Ulm über Biberach an den Bodensee gebaut. Als dann auch eine Allgäubahn von Ulm nach Kempten geplant wurde, kam es zu heftigen Kämpfen um die Trassenführung zwischen Württemberg und Bayern. Mit Thomas Komödie von der Lokalbahn als Vorlage wollten wir zeigen, wie die Bürger von Erolzheim um eine Verlegung der Trasse auf die westliche Illertalseite kämpfen. Die lokalpolitische Streiterei zwischen Bürgermeister, Gemeinderat, Presse und Beamtentum demonstriert Zivilcourage und Duckmäusertum, Obrigkeitshörigkeit und Opportunismus. Richard Reichert als Dorfschultes muß sich auf seinen kommunalpolitischen Instinkt verlassen und durchlebt ein Wechselbad der Gefühle; gefeiert und geschmäht, von "Hossianna" zu "Kreuziget ihn!". Obwohl seine Intervention beim Minister erfolglos bleibt, hat er am Ende Gemeinderat und Bevölkerung auf seiner Seite. Um wieder in den gewohnten Zweijahresrhythmus zu kommen, haben wir uns darauf geeinigt, im Jahr darauf unseren ersten Klassiker, den "Zerbrochenen Krug", nochmals aufzuführen. Wir spielten im April 2006 fünf Vorstellungen, wieder in der Turnhalle des Klosters Bonlanden. Gegenüber der Erstaufführung im Jahre 1992 wurden 4 Rollen neu besetzt: Erna Harder spielte die Frau Marthe Rull, ihre Tochter Theresa die Eva Rull, also eine echte Mutter-Tochter-Beziehung. Hans-Peter Harder war der Schreiber Licht, und Jutta Damaschke glänzte als Frau Brigitte. Am Schluß der letzten Aufführung konnte Theaterleiter Roland Specker neun verdienten Vereinsmitgliedern für ihre langjährige Mitarbeit danken. Die bronzene Ehrennadel mit Urkunde des Landesverbandes Amateurtheater für 10-jährige Mitwirkung erhielten: Brigitte und Helmut Frimmel, Erna Harder, Gisela Schmid, Franz Bürk, Reinhold Grieser, Manfred Lorenz, Richard Reichert und Lothar Scheffold. Auch Theaterleiter Dr.Roland Specker wurde im Jahre 2006 geehrt. Am 23.November verlieh ihm Landrat Dr.Schmid das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Verdienste um das Gemeinwohl, besonders um den Theaterverein. Das Erolzheimer Heimatfest wurde vom Jahr 2000 an um eine Donnerstag-Veranstaltung erweitert, die von der Gemeinde ausgerichtet wird. In den Jahren 2000 bis 2004 wurden Historienspiele, basierend auf wahren Begebenheiten aus der Dorfgeschichte, veranstaltet, von Prof.Dr.Konstantin Maier verfaßt und von Werner Altvater organisiert. Dabei waren die wesentlichen Rollen von Akteuren der Theatergruppe besetzt. In den Jahren 2005 und 2006 übergab die Gemeinde eine Umschrift der Bär'schen Dorfchronik der Öffentlichkeit - in zwei Feierstunden ebenfalls am Heimatfest-Donnerstag. Da an diesem Tag vor dem Heimatfest im Jahre 2007 von der Gemeinde nichts geplant war, übernahmen wir von der Theatergruppe diesen Termin und führten eine Kurzfassung von Schultheiß Bärs Theaterstück "Schuld und Sühne" auf. Xaver Bär entwickelte im ersten Teil seines Dramas, das im Mittelalter während eines Kreuzzuges spielt, dramaturgisch sehr geschickt eine spannende Handlung, die dann im großen Finale aufgelöst wird: Die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft. Da das Stück in der Originalfassung eigentlich nicht spielbar ist, haben wir es in den Dialogen drastisch gekürzt, bearbeitet und in moderne Umgangssprache umgeschrieben.Trotzdem haben wir versucht, bei der Handlung möglichst nahe am Original zu bleiben. Den zweiten Teil, technisch und personell sehr aufwendig, haben wir weggelassen. Der Inhalt wird, ebenso wie die Vorgeschichte, von einem Erzähler geschildert. Für 2008 hatte sich die Theatergruppe ein Stück eines zeitgenössischen modernen Autors ausgesucht. Die Anregung kam von der Theatergruppe Eberhardzell. Der Schweizer Markus Köbeli schrieb 1989 das Bergbauerndrama "Holzers Peepshow". Neben seiner Arbeit als Redakteur beim Schweizer Fernsehen schrieb Köbeli Texte für Satire-Sendungen, Hörspiele und auch Kurzgeschichten. Nach der Komödie "Zimmer frei" hatte Köbeli mit "Holzers Peepshow" auf Anhieb großen Erfolg. Es ist die Geschichte einer ärmlichen Bergbauernfamilie, die ihr spärliches Einkommen aus Landwirtschaft und Skiliftbetrieb verbessern und ihrem trostlosen Dasein wieder mehr Sinn geben wollen. Deshalb beschließen sie, gegen Entgelt vorbeiziehenden Touristen einen Blick in ihre gute Stube zu gewähren, einem Stück "heile Welt", wie sie glauben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft das Geschäft ganz gut, die Familie Holzer zerbricht jedoch daran Stück für Stück. Köbeli gab zum Erfolg seiner Stücke folgenden Kommentar: Lachen verleitet bekanntlich dazu, etwas nicht ganz ernst zu nehmen. Das ist die Tragödie der Komödie. Lachen Sie deshalb ruhig bei meinen Komödien, aber tun Sie es mit dem nötigen Ernst. Am 8.Februar 2008 erreichte die Theatergruppe die traurige Nachricht, daß ihr Ehrenmitglied Karl Günther Douglas verstorben ist. Viele Mitglieder begleiteten den Verstorbenen an sein Grab und legten für die Theatergruppe einen Kranz nieder. Der Nachruf in der Zeitung hatte folgenden Wortlaut: Die Theatergruppe Erolzheim trauert um ihr Ehrenmitglied Karl Günther Douglas, der am 8.Februar 2009 nach schwerer Krankheit gestorben ist. Seit der Gründung unserer Theatergruppe anlässlich der 950-Jahrfeier der Gemeinde Erolzheim wirkte der Verstorbene unermüdlich und voller Ideen in unserer Gruppe. Die Sanierung des Theaterstadels wäre ohne seinen tatkräftigen Einsatz nicht denkbar gewesen. Wir werden seine humorvolle Art, mit allen Problemen fertig zu werden, sehr vermissen. Unser tiefempfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie. Bürgermeister Günther Matheis informierte die Theatergruppe im Laufe des Jahres 2009, daß die Gemeinde die Planung für die Sanierung der alten Festhalle wieder aufgenommen habe, wobei auch eine große Theaterbühne mit allen technischen Einrichtungen eingebaut werden soll. Auch bestehe Aussicht auf Zuschüsse aus dem laufenden Konjunkturprogramm. Die Vorfreude auf die in Aussicht gestellte heimische Bühne beflügelte die Theatergruppe, ein besonderes Projekt in Angriff zu nehmen, mit dem man gut auf Tournee gehen kann. Die Wahl fiel auf die bekannteste schwäbische Volkssage, "Die sieben Schwaben" in der Version des berühmten Prämonstratenser-Chorherren Sebastian Sailer, angeregt durch Gespräche mit Marlies Grötzinger und Prof.Konstantin Maier. Sailer schaute dem Volk aufs Maul und übernahm dessen derbe und unverblümte Ausdrucksweise. Da in dem Stück viel gesungen wird, es aber keine überlieferten Noten gibt, wurde der Musiklehrer Walter Gropper gebeten, Sailers Verse zu vertonen. Die Handlung ist so einfach wie unterhaltsam: Der trinkfreudige Schultheiß beklagt sich am Wirtshaustisch, daß ihm sein Amt nichts als Verdruß bringe, da stolpert sein Bannwart herein und berichtet, daß er ein fürchterliches Tier gesehen habe, das die Idylle bedrohe. Großspurig zieht der Schultes sofort in den Krieg, um das "Ungeheuer" zu vertreiben, macht aber bei der ersten Konfrontation einen Rückzieher und überläßt dem Bannwart das Kommando. Der schleppt die sieben, genauer gesagt acht, Schwaben aus allen Teilen des Landes heran, um aus ihnen Soldaten zu machen. Und so zieht die fürchterliche Truppe samt leichter Kavallerie gegen den Hasen, nicht ohne vorher öffentlich gebeichtet zu haben. Nach der überraschenden Hasenflucht findet sich auch der Schultes wieder ein, und gemeinsam ziehen alle mit Dankesliedern auf den Lippen in einer finalen Siegesprozession hinter der Sieben-Schwaben-Fahne zur nächsten Kneipe. Schon im Mai wurde mit den Proben begonnen. Premiere war dann am 30.Juli beim Erolzheimer Heimatfest im Bierzelt auf der Festwiese beim Schloß vor 500 begeisterten Zuschauern. Dann ging's auf große Reise. Erste Station war das Freilichtmuseum in Kürnbach, wo am 11.September auf grüner Wiese gespielt wurde, leider bei empfindlich tiefen Temperaturen. Ein Highlight war dann am 26.September der Auftritt an Sailers Wirkungsstätte, dem Kloster in Obermarchtal. Vor der einmaligen Kulisse des Spiegelsaales gaben die Akteure ihr Bestes. Kontrastkulisse bot dann der Turnsaal in Mettenberg bei Biberach, wo wir am 10.Oktober im Rahmen einer Sichelhenke beim dortigen Musikverein gastierten. Nächste Station war die Donauhalle in Neufra bei Riedlingen, wo wir zusammen mit den Mundartdichtern Hugo Breitschmid und Bernhard Bitterwolf eine "Schwäbische Hohstube" zelebrierten. Die letzten Aufführungen der Sieben Schwaben fanden dann im Historischen Theater in Sailers Geburtsort Weißenhorn am 26. und 27.Juni 2010, und am 3.Juli in der wunderschönen Glashütte in Schmidsfelden bei Leutkirch statt. Leider wurde der Besuch der drei letzten Aufführungen durch die gleichzeitig stattfindenden Fußballspiele der deutschen Mannschaft in der Endrunde der WM in Südafrika beeinträchtigt, was wir bei der Planung natürlich noch nicht absehen konnten Erholsamer Ausklang der großen Theatertournee war dann ein dreitägiger Ausflug zum Weingut Hein nach Wachenheim bei Worms, wo wir uns das gute Pfälzer Essen und vor allem den Pfälzer Wein schmecken ließen. Im November 2010 haben Aktive aus der Theatergruppe das Untergeschoss des Theaterstadels ausgeräumt, einen neuen Steinplattenboden verlegt und den Putz der Wände erneuert. Dann wurden die Wände des Untergeschosses außen und innen frisch gestrichen. Die Fachwerkbalken und die Holzböden erhielten eine Holzbock-Behandlung mit Mikrowelle. Die Theatergruppe ist Bürgermeister Matheis und seinem Nachfolger Ackermann, sowie dem Gemeinderat sehr dankbar, daß wir bei der Bühnenplanung und Einrichtung der Nebenräume in der neuen Mehrzweckhalle in Erolzheim mit einbezogen wurden. |
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